Mapping the In-Between.
Floating Poetry auf dem Neuköllner Schiffartskanal
Eine Kooperation von beier+wellach projekte, kollektiv »kaboom«
und The Poetry Project
48 Stunden Neukölln // 05.07.2026
Der Neuköllner Schifffahrtskanal ist kein neutrales Abbild der Landschaft, sondern das Ergebnis bewusster Eingriffe und Entscheidungen darüber, wie Raum genutzt und verstanden werden soll. Ausgehend vom Rixdorfer Wiesengraben in einer sumpfigen Landschaft wurde das Gebiet durch Trockenlegung im 19. Jhd in nutzbares Land überführt und mit dem Kanalbau um 1914 gezielt als Infrastruktur für Industrie und großstädtisches Wachstum gestaltet. Während der Teilung Berlins wird er zur streng kontrollierten Grenze – scheinbar eindeutig, tatsächlich aber ein widersprüchlicher Zwischenraum. Heute zeigt sich der Kanal erneut im Wandel: als hybrider Raum zwischen Restindustrie, Freizeit und künstlerischer Aneignung.
So steht der Kanal für eine lebendige Karte, auf der sich unterschiedliche Lesarten von Raum überlagern. Mit dem Backdecker DYLAN vermessen wir diesen Raum neu. Dieser Bootstyp wurde im 19. Jhd. auf der Engelbrecht-Werft in Berlin-Köpenick entwickelt. Als Ur-Berliner*in stehen diese Boote für die maritime Geschichte der Stadt. Im Rahmen von 48h Neukölln wird die DYLAN zur Bühne.
Das künstlerische Lesungsprogramm von beier+wellach projekte, »kaboom« & The Poetry Project widmet sich den vielschichtigen Bedeutungen von Zwischenräumen und Grenzen, die von den Autor*innen erkundet werden. Und es geht um Fragen der Identität, geformt durch Verschiebungen, Brüche und Überlagerungen.
Gerade auf dem Wasser, einem Ort, der keine festen Grenzen kennt, entfaltet sich ein literarischer Raum, in dem neue Kartografien entstehen: tastend, fließend und offen für ungewohnte Perspektiven. Es geht um das Ablegen und Loslassen, um Aufbruch und Sehnsucht, um Gemeinschaft und Wiederkehr.
Wir laden dazu ein, Neukölln vom Wasser aus zu beobachten. Auf schwankendem Grund, aber in einem geschützten Raum. Den Atmosphären, den Stimmen, den Geschichten zu lauschen. Und Grenzen als Anfang neuer Erzählungen zu sehen; auf einem Kanal, der sein Umfeld wesentlich prägte und weiter prägen wird.
Die Poet*innen:
Rojin Namer (*2002) wurde als ältestes von fünf Kindern in Damaskus in Syrien geboren. Bis 2015 lebte sie zusammen mit ihrer Familie als Geflüchtete im Irak. Die Schrecken des Krieges und die Zuspitzung der Situation seit 2013 führten dazu, dass sich Rojin 2015 im Alter von 12 Jahren mit ihrem Cousin auf den Weg nach Deutschland machte. Heute lebt sie in Berlin und studiert Rehabilitationspädagogik an der Humboldt-Universität. Sie schreibt auf Deutsch, Arabisch und Englisch. 2019 wurde sie mit dem THEO – Preis für junge Literatur in der Kategorie Sprachräume ausgezeichnet und ist mehrmalige Gewinnerin und Jurorin des Lyrix – Bundeswettbewerb für junge Lyrik.
Ali Alzaeem ist im syrischen Idlib aufgewachsen, im Sommer 2015 kam er als Jugendlicher mit seiner Familie nach Deutschland. Er spielt gern Theater und schreibt Gedichte, interessiert sich für Politik und Wirtschaft. Er hat in Berlin die Schule fertig gemacht und studiert Logistik.
Bahadin Akhan wurde in Muş im Norden Kurdistans geboren. Aufgrund des Verbots der kurdischen Sprache in der Türkei war er gezwungen, von der Grundschule bis zum Gymnasium seine gesamte Schulausbildung auf Türkisch zu absolvieren. Nach dem Abitur hörte er, dass in einigen Städten Kurdistans Fachbereiche für kurdische Sprache und Literatur eingerichtet worden waren, und beschloss, seine Ausbildung in seiner eigenen Sprache fortzusetzen. Er schloss sein Studium an der Mardin Artuklu Universität mit einem Abschluss in kurdischer Sprache und Literatur ab und absolvierte seinen Master im Fachbereich kurdische Sprache und Kultur. Er war in den Bereichen Verlagswesen, Lektorat und Journalismus tätig. Seine Gedichte, Geschichten und Artikel wurden in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht. Im Jahr 2022 gewann er den Poesiepreis des Arjen-Arî-Wettbewerbs. Aus politischen Gründen war er gezwungen, sein Land zu verlassen. Er lebt seit drei Jahren in Berlin.
Daria Py wurde 2005 geboren und lebt in Berlin. Ihre Familie kommt aus der Ukraine und aus Frankreich. Sie studiert seit . Daria hat sich schon immer für das Schreiben von Gedichten und fürs Zeichnen interessiert. Außerdem spielt sie in ihrer Freizeit gerne Geige und kocht.